Exit-Interviews: von der operativen Aufgabe zur strategischen Möglichkeit

Für einen stressfreien und strategischen Ausstieg

Exit-Interviews

Exit-Interviews werden von Mitarbeiter:innen und dem Unternehmen eher als herausfordernde und stressige Situationen wahrgenommen. Während Mitarbeitende häufig nicht wissen, ob der Kündigungsgrund gegenüber Vorgesetzten erwähnt werden kann, müssen Vorgesetzte mit dem Weggang des Mitarbeitenden Ersatz für verlorenes Fachwissen und Kompetenzen finden. Infolgedessen ist es keine Seltenheit, dass diese Gespräche nur von den wenigsten Unternehmen systematisch geführt, ausführlich analysiert und konkrete Maßnahmen abgeleitet werden. Aus dieser erhöhten Stress-Wahrnehmung resultiert, dass der strategische Wert von Exit-Interviews nicht vollkommen genutzt oder sogar ignoriert wird.

Offene und kontinuierliche Kommunikation als Basis des strategischen Wertes

Motivierte Mitarbeiter:innen sind eher dazu geneigt, sich in ihrem Unternehmen zu engagieren und tendieren seltener dazu, ihr Unternehmen zu verlassen. Aus diesem Grund ist der regelmäßige Austausch zwischen Angestellten und Führungskräften im Rahmen von Befragungen, persönlichen Gesprächen oder einer Kombination aus beidem, essenziell. Dieser Austausch signalisiert, dass auf Gefühle, Meinungen und Ideen Wert gelegt wird, was zu einer Stärkung des Engagements, des Zugehörigkeitsgefühl und folglich zu einer Reduzierung der Mitarbeiterfluktuation führt (siehe vorherigen Point-of-VIEW-Beitrag zur Fluktuation).
Durchdachte Exit-Interviews stellen in diesen kontinuierlichen Gesprächen einen Höhepunkt in der offenen Kommunikation dar. Sie beleuchten insbesondere vorhandene Probleme im Unternehmen, geben Aufschluss über verborgene Herausforderungen, Chancen und liefern wichtige Wettbewerbsinformationen. Dabei sollte man berücksichtigen, dass Mitarbeiter:innen auch nach der Beendigung des Arbeitsverhältnisses weiterhin Botschafter:innen des Unternehmens sind, was ebenfalls zur Beeinflussung der Fluktuation beiträgt.

So gestalten Sie Exit-Interviews möglichst stressfrei und strategisch wertvoll

1. Zeitpunkt
Das Exit-Interview sollte weder zu nah an der Ankündigung des Austritts noch an der Beendigung des Arbeitsverhältnisses liegen. Damit stellen Sie sicher, dass sich die anfängliche Aufregung gelegt hat, aber die Gefühle, Meinungen und Ideen gegenüber dem Unternehmen noch präsent sind.

2. Struktur
Vorzugsweise verwenden Sie einen standardisierten Leitfaden. Dieser vereinfacht die Identifikation von Trends und die Konsolidierung der gewonnenen Informationen. Zusätzliche offene Fragen lassen zudem genügend Raum für neue Perspektiven, wie zum Beispiel: Was erhoffst Du Dir von Deinem nächsten Arbeitgeber? Was hätte Dein Vorgesetzter besser machen können?

3. Methode
Die effektivste Methode für ein Exit-Interview variiert zwischen dem persönlichen Gespräch, einem Telefongespräch und der online Mitarbeitendenbefragung. Unumstritten ist aber, dass ein internes Austrittsgespräch durch HR initiiert werden und nicht ausschließlich von dem direkten Vorgesetzten geführt werden soll. Damit gewährleisten Sie das höchste Maß an Ehrlichkeit und schaffen eine angenehme Atmosphäre für den Mitarbeitenden.

4. Konsolidierung der Informationen
Doch was geschieht nun mit den gewonnenen Informationen? Die gewonnen Daten sollten in regelmäßigen Abständen konsolidiert und ausgewertet werden. Bevor die Ergebnisse veröffentlicht werden, müssen Sie die Anonymität der Befragten in Bezug auf die Daten gewährleisten. Um dann den größten Nutzen aus den Ergebnissen zu gewinnen, muss eine Reaktion des Unternehmens mit konkreten Maßnahmen erfolgen!