Quiet Quitting – eine Mini-Serie zu einem neuen Phänomen

Wie sich Unternehmen für das Phänomen rüsten können

Quiet Quitting

Es gibt keine klare Definition davon, was „Quiet Quitting“ bedeutet, der Begriff ist durch ein TikTok Video bekannt geworden und wird heiß diskutiert. Vermutlich auch deshalb, weil es ein Trend der jüngsten Generation von Arbeitnehmenden ist und Personaler:innen und Unternehmen natürlich wissen möchten, worauf sie sich gegebenenfalls einstellen müssen. Es geht darum, die „Work-Life-Balance“ wirklich ernst zu nehmen und eine klare Grenze zwischen beruflichem und privatem Leben zu ziehen. Das bedeutet zum Beispiel, keine Überstunden zu machen, keine Zusatzaufgaben zu übernehmen und generell dem Unternehmen nur soweit verbunden zu sein, wie das Unternehmen dem Mitarbeitenden verbunden ist. Das geht dann meist nicht über das vertraglich Vereinbarte hinaus.

„Quiet Quitting“ ist allerdings nicht zu verwechseln mit einer „inneren Kündigung“ oder mit einem resignierten Absitzen auf der Arbeit, bis es einen besseren Job gibt. Der Begriff wirkt erst einmal sehr negativ, allerdings sind „Quiet Quitter“ durchaus engagiert und auch an einer Karriere interessiert. Sie sind nicht verbittert, sondern einfach nur sehr klar darin, was ihnen im Leben wichtig ist. Eine veränderte Lebenssituation, eine Auflehnung gegen eine allzu vereinnahmende Firmenkultur, eine Besinnung auf sich selbst: es gibt viele Gründe für Arbeitnehmer:innen, sich für das „Quiet Quitting“ zu entscheiden.

Doch ist das für Unternehmen ein Problem? Das hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Wir nähern uns dem Thema „Quiet Quitting“ in dieser Serie aus verschiedenen Perspektiven, um das Phänomen und die Auswirkungen differenzierter darstellen zu können.

1. In der Dienstleistungsbranche (wie Hotellerie, Einzelhandel, Handwerk, Krankenhaus, Consulting …) gibt es keine „Quiet Quitter“. Es geht nur ganz oder gar nicht. Das bedeutet heute eben immer häufiger: gar nicht. Viele Branchen leiden unter einem Fachkräftemangel, der die Wirtschaftlichkeit massiv bedroht und zuweilen disruptive Lösungen braucht. Was muss ich den Mitarbeiter:innen bieten, um das hohe Engagement, das in diesem Job notwendig ist, zu erhalten? Im ersten Teil der Serie erfahren wir, weshalb „Quiet Quitter“ in der Dienstleistungsbranche (am Beispiel Hotellerie) keine Chance haben.

2. Im öffentlichen Dienst ist „Dienst nach Vorschrift“ kein neuer Begriff und die Arbeitszeit und Aufgabengebiete sind viel stärker geregelt. Macht das die Arbeit dort für die kommenden Generationen attraktiver? „Quiet Quitter“ sind an einer Karriere interessiert und ein gutes Arbeitsumfeld und interessante Tätigkeiten sind ihnen wichtig. Starre Strukturen und bürokratische Prozesse sind nach wie vor unattraktiv. Umso wichtiger ist es, dass Führungskräfte den vorhandenen Spielraum nutzen, um motivierte Mitarbeiter:innen zu halten. Wie können Führungskräfte für diese Anforderungen fit gemacht werden?

3. In einem Konzern (z. B. Maschinenbau, Chemie, Automobil, Pharma) kann es durchaus heißen: „Quiet Quitters welcome!“. Denn es ist für die psychische und physische Gesundheit durchaus sinnvoll, sich nicht für seine Arbeit aufzureiben und natürlich langfristig nachhaltiger. Umso mehr muss man sich fragen: Was brauchen meine Mitarbeiter:innen, um in ihren bezahlten Stunden so produktiv wie möglich zu sein? Ist in unserem Unternehmen wirklich die Arbeitsleistung der entscheidende Faktor für Wertschätzung und Karrieremöglichkeiten und nicht die Anzahl der Überstunden? Wir zeigen, wie eine Mitarbeiterbefragung aufgebaut werden kann, um Antworten zu bekommen.

4. „Quitting“ klingt erst einmal sehr negativ und eine Person, die sich als „Quiet Quitter“ in einem Unternehmen nicht wertgeschätzt fühlt, ist schnell entweder weg, geht tatsächlich in die „innere Kündigung“ oder entwickelt sogar böse Absichten gegen den Arbeitgeber. Dabei sind „Quiet Quitter“ motivierte, interessierte und innovative Mitarbeiter:innen, die sich nur nicht ausschließlich über ihren Job definieren. Deswegen sollte man sich das Phänomen durchaus genauer ansehen! Wir haben einen Quiet Quitter gefunden und interviewt. Dabei haben wir interessante Einblicke in die Welt der Generation Z gewonnen.

Die neue Generation an Arbeitnehmer:innen will neu über die Art und Weise verhandeln, wie gearbeitet wird – und ist in einer guten Position, solange Fluktuation, Fachkräftemangel und Krankenstände ein Problem für Unternehmen darstellt. Wir möchten Ihnen helfen, das Phänomen „Quiet Quitting“ besser zu verstehen, damit Sie sich gut gerüstet mit an den Verhandlungstisch setzten können.